Kalender mit Menora, Schofar und Granatäpfeln auf einem Holztisch

Jüdische Feiertage 2026, 2027 und 2028: alle Termine

Das jüdische Jahr 5788 beginnt am Freitagabend, dem 1. Oktober 2027 mit Rosch ha-Schana. Davor liegen 2027 noch Tu biSchevat, Purim, Pessach, Schawuot und Tischa beAv aus dem Jahr 5787; danach folgen Jom Kippur, Sukkot, Simchat Tora und – ab Freitag, dem 24. Dezember 2027 – Chanukka, das diesmal genau auf Heiligabend beginnt. Diese Seite listet alle Termine für den Rest von 2026, für 2027 und für 2028, jeweils mit dem Vorabend, an dem das Fest tatsächlich anfängt. Im zweiten Teil geht es um die Frage, die in Deutschland am häufigsten gestellt wird: Wer bekommt an jüdischen Feiertagen frei – und wo steht das?

Das Wichtigste in Kürze

  • Rosch ha-Schana 5788: 2.–3. Oktober 2027, Beginn Freitag, 1. Oktober 2027 abends
  • Jom Kippur 2027: Montag, 11. Oktober 2027, Beginn am Vorabend
  • Pessach 2027: 22.–29. April 2027 (erster Seder am Mittwoch, 21. April 2027)
  • Chanukka 2027: erste Kerze am Freitag, 24. Dezember 2027, Ende am Samstag, 1. Januar 2028
  • Kein jüdischer Feiertag ist in Deutschland gesetzlicher Feiertag. Bayern und Nordrhein-Westfalen geben jüdischen Beschäftigten aber per Gesetz das Recht, der Arbeit fernzubleiben.

Warum jüdische Feiertage am Vorabend beginnen

Der jüdische Tag reicht von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang – so wie es im Schöpfungsbericht heißt: „Es wurde Abend, und es wurde Morgen“. Jedes Fest beginnt deshalb am Abend vor dem Datum, das im Kalender steht, und endet mit Einbruch der Dunkelheit am letzten Festtag. In den Tabellen steht der Vorabend in einer eigenen Spalte, weil er für die Planung oft der entscheidende Termin ist: Der Sederabend zu Pessach, das Kol-Nidre-Gebet zu Jom Kippur und das erste Chanukka-Licht fallen alle auf diesen Abend. Die genauen Uhrzeiten für das Kerzenzünden hängen vom Ort ab und werden von den Gemeinden veröffentlicht.

Der Kalender selbst ist lunisolar. Die Monate folgen dem Mond, und damit Pessach im Frühjahr bleibt, wird in sieben von 19 Jahren ein Schaltmonat eingefügt. Das Jahr 5787 ist ein solches Schaltjahr – deshalb fällt Purim 2027 auf den 14. Adar II. Im gregorianischen Kalender wandern die Feste so von Jahr zu Jahr um bis zu einige Wochen, im jüdischen Kalender stehen sie fest: Jom Kippur ist immer der 10. Tischri, Pessach beginnt immer am 15. Nissan.

Alle Daten auf dieser Seite folgen dem Diaspora-Kalender, wie ihn die Gemeinden in Deutschland verwenden. In Israel dauern Pessach, Schawuot und das Ende von Sukkot einen Tag kürzer; Schemini Azeret und Simchat Tora fallen dort auf denselben Tag.

Jüdische Feiertage 2026 (bis Jahresende, Jahr 5787)

Das Jahr 5787 hat mit Rosch ha-Schana am 12. September 2026 begonnen, Jom Kippur war am Montag, 21. September 2026. Stand heute läuft Sukkot bereits. Bis Silvester stehen noch diese Termine an:

Fest Beginn am Vorabend Festtage Jüdisches Datum
Sukkot Freitag, 25. September 2026 26. September bis 2. Oktober 2026 15.–21. Tischri
Schemini Azeret Freitag, 2. Oktober 2026 3. Oktober 2026 22. Tischri
Simchat Tora Samstag, 3. Oktober 2026 4. Oktober 2026 23. Tischri
Chanukka Freitag, 4. Dezember 2026 5.–12. Dezember 2026 ab 25. Kislew

Mehr zum Lichterfest im Dezember – mit allen acht Abenden, Wochentagen und Bräuchen – auf der Seite Chanukka 2026.

Jüdische Feiertage 2027 (Jahr 5787/5788)

Bis zum 1. Oktober 2027 gilt das Jahr 5787; mit dem Vorabend von Rosch ha-Schana beginnt 5788.

Fest Beginn am Vorabend Festtage Jüdisches Datum
Tu biSchevat Freitag, 22. Januar 2027 23. Januar 2027 15. Schwat
Purim Montag, 22. März 2027 23. März 2027 14. Adar II
Pessach Mittwoch, 21. April 2027 22.–29. April 2027 15.–22. Nissan
Schawuot Donnerstag, 10. Juni 2027 11.–12. Juni 2027 6.–7. Siwan
Tischa beAv Mittwoch, 11. August 2027 12. August 2027 9. Aw
Rosch ha-Schana Freitag, 1. Oktober 2027 2.–3. Oktober 2027 1.–2. Tischri
Jom Kippur Sonntag, 10. Oktober 2027 11. Oktober 2027 10. Tischri
Sukkot Freitag, 15. Oktober 2027 16.–22. Oktober 2027 15.–21. Tischri
Schemini Azeret Freitag, 22. Oktober 2027 23. Oktober 2027 22. Tischri
Simchat Tora Samstag, 23. Oktober 2027 24. Oktober 2027 23. Tischri
Chanukka Freitag, 24. Dezember 2027 25. Dezember 2027 bis 1. Januar 2028 ab 25. Kislew

Zwei Überschneidungen mit dem deutschen Feiertagskalender fallen 2027 auf: Der zweite Tag von Rosch ha-Schana ist der 3. Oktober 2027 – Tag der Deutschen Einheit, allerdings ein Sonntag. Und Chanukka deckt sich fast vollständig mit den Weihnachtstagen: Es berührt 25. Dezember 2027 (Erster Weihnachtstag), 26. Dezember 2027 (Zweiter Weihnachtstag), 1. Januar 2028 (Neujahr). Zur Planung der gesetzlichen Feiertage siehe Feiertage 2027 in Deutschland.

Jüdische Feiertage 2028 (Jahr 5788/5789)

Das Jahr 5788 hat keinen Schaltmonat, Purim liegt also im regulären Adar. Mit Rosch ha-Schana am 21. September 2028 beginnt 5789.

Fest Beginn am Vorabend Festtage Jüdisches Datum
Tu biSchevat Freitag, 11. Februar 2028 12. Februar 2028 15. Schwat
Purim Samstag, 11. März 2028 12. März 2028 14. Adar
Pessach Montag, 10. April 2028 11.–18. April 2028 15.–22. Nissan
Schawuot Dienstag, 30. Mai 2028 31. Mai bis 1. Juni 2028 6.–7. Siwan
Tischa beAv Montag, 31. Juli 2028 1. August 2028 9. Aw
Rosch ha-Schana Mittwoch, 20. September 2028 21.–22. September 2028 1.–2. Tischri
Jom Kippur Freitag, 29. September 2028 30. September 2028 10. Tischri
Sukkot Mittwoch, 4. Oktober 2028 5.–11. Oktober 2028 15.–21. Tischri
Schemini Azeret Mittwoch, 11. Oktober 2028 12. Oktober 2028 22. Tischri
Simchat Tora Donnerstag, 12. Oktober 2028 13. Oktober 2028 23. Tischri
Chanukka Dienstag, 12. Dezember 2028 13.–20. Dezember 2028 ab 25. Kislew

2028 fällt Pessach in die Karwoche: Innerhalb der acht Festtage liegen Karfreitag (14. April 2028) und Ostermontag (17. April 2028). Alle gesetzlichen Termine des Jahres stehen unter Feiertage 2028.

Die Hohen Feiertage im Herbst

Rosch ha-Schana – das jüdische Neujahr

Rosch ha-Schana eröffnet am 1. und 2. Tischri das neue Jahr. 2027 beginnt es am Freitag, 1. Oktober 2027 abends und dauert bis zum Sonntagabend, dem 3. Oktober 2027; 2028 beginnt es am Mittwoch, 20. September 2028 abends. Im Mittelpunkt steht das Blasen des Schofars, des Widderhorns, im Gottesdienst. Zu Hause isst man Apfelstücke in Honig für ein „süßes Jahr“ und Granatäpfel. Weil der erste Festtag 2027 auf einen Schabbat fällt (Samstag, 2. Oktober 2027), wird der Schofar erst am zweiten Tag geblasen.

Jom Kippur – der Versöhnungstag

Zehn Tage nach Neujahr folgt der höchste Feiertag des Jahres. Jom Kippur ist ein Fasttag von etwa 25 Stunden, ohne Essen und Trinken, der fast vollständig in der Synagoge verbracht wird: vom Kol-Nidre-Gebet am Vorabend bis zum Schlussgebet Ne’ila. 2027 fällt Jom Kippur auf Montag, 11. Oktober 2027 – für Berufstätige der wichtigste Termin des Jahres, weil er auf einen Werktag trifft. 2028 liegt er auf Samstag, 30. September 2028.

Sukkot – das Laubhüttenfest

Fünf Tage nach Jom Kippur beginnt Sukkot. Sieben Tage lang essen Familien in einer Laubhütte (Sukka) mit einem Dach aus Zweigen, das den Blick auf den Himmel frei lässt – in Erinnerung an die Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten. Dazu kommt der Feststrauß aus Palmzweig, Myrte, Bachweide und Etrog. Termine: Sukkot 5788 16.–22. Oktober 2027, Beginn am Freitag, 15. Oktober 2027 abends; Sukkot 5789 5.–11. Oktober 2028, Beginn am Mittwoch, 4. Oktober 2028 abends. Nur die ersten beiden Tage sind volle Festtage, die übrigen sind Halbfeiertage (Chol ha-Moed).

Schemini Azeret und Simchat Tora

Direkt im Anschluss folgen zwei eigenständige Festtage. Schemini Azeret („achter Tag der Versammlung“) ist 2027 am Samstag, 23. Oktober 2027, Simchat Tora am Sonntag, 24. Oktober 2027. An Simchat Tora wird der jährliche Zyklus der Tora-Lesung abgeschlossen und sofort neu begonnen; die Torarollen werden in Umzügen durch die Synagoge getragen. 2028 fallen beide Tage auf Donnerstag, 12. Oktober 2028 und Freitag, 13. Oktober 2028 – anders als 2027 also auf Werktage.

Die Feste im Winter und Frühjahr

Chanukka – das Lichterfest

Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem durch die Makkabäer im 2. Jahrhundert v. d. Z. Acht Abende lang wird an der Chanukkia jeweils ein Licht mehr angezündet. Das Fest ist kein Ruhetag, gearbeitet wird normal. 2026 brennt das erste Licht am Freitag, 4. Dezember 2026, 2027 am Freitag, 24. Dezember 2027 – also an Heiligabend –, 2028 am Dienstag, 12. Dezember 2028. Details auf der Seite Chanukka 2026.

Tu biSchevat – Neujahr der Bäume

Am 15. Schwat wird das Neujahr der Bäume gefeiert, traditionell mit Früchten aus dem Land Israel wie Datteln, Feigen und Oliven. Es ist ein kleiner Feiertag ohne Arbeitsruhe. Termine: Samstag, 23. Januar 2027 und Samstag, 12. Februar 2028.

Purim

Purim erinnert an die im Buch Ester erzählte Rettung der Juden in Persien. Die Megilla wird am Abend und am Morgen gelesen, Kinder verkleiden sich, man verschenkt Essen an Freunde und Gaben an Bedürftige. Purim beginnt 2027 am Montag, 22. März 2027 abends (Festtag Dienstag, 23. März 2027), 2028 am Samstag, 11. März 2028 abends (Festtag Sonntag, 12. März 2028). Arbeitsruhe gibt es nicht.

Pessach – das Fest der ungesäuerten Brote

Pessach feiert den Auszug aus Ägypten. Am Vorabend und am zweiten Abend (in der Diaspora) findet der Seder statt, das Festmahl mit der Haggada-Erzählung. Acht Tage lang wird nichts Gesäuertes gegessen, stattdessen Mazza. 2027 beginnt Pessach am Mittwoch, 21. April 2027 abends und dauert bis Donnerstag, 29. April 2027; 2028 vom Montagabend, dem 10. April 2028, bis Dienstag, 18. April 2028. Volle Festtage sind die ersten zwei und die letzten zwei Tage.

Schawuot – das Wochenfest

Sieben Wochen nach Pessach wird die Gabe der Tora am Sinai gefeiert, verbunden mit dem Ende der Weizenernte. Üblich sind Milchspeisen und eine durchlernte erste Nacht. Schawuot 2027: 11.–12. Juni 2027 (Beginn Donnerstag, 10. Juni 2027), 2028: 31. Mai bis 1. Juni 2028 (Beginn Dienstag, 30. Mai 2028).

Tischa beAv – der Trauertag

Am 9. Aw wird der Zerstörung beider Tempel gedacht. Es ist ein voller Fasttag vom Vorabend bis zur Nacht, an dem die Klagelieder gelesen werden. 2027 fällt er auf Donnerstag, 12. August 2027, 2028 auf Dienstag, 1. August 2028.

Sind jüdische Feiertage in Deutschland arbeitsfrei?

Nein – keiner der jüdischen Feiertage gehört zu den gesetzlichen Feiertagen, die in Deutschland 2027 gelten. Es gibt aber zwei Stufen darunter. Einige Länder schützen jüdische Feiertage in ihren Feiertagsgesetzen ausdrücklich und geben jüdischen Beschäftigten ein Recht auf Fernbleiben. Andere arbeiten nur mit einer allgemeinen Regel für „kirchliche Feiertage“ aller Religionsgemeinschaften. Die Feiertagsgesetze sind Ländersache; der Staatsvertrag zwischen Bund und Zentralrat der Juden in Deutschland vom 27. Januar 2003 regelt die Zusammenarbeit und die jährliche Staatsleistung, enthält aber keine Feiertagsregel. Drei Länder im Überblick – die Regeln anderer Länder sind hier bewusst nicht verallgemeinert:

Bayern: Art. 6 Feiertagsgesetz („Israelitische Feiertage“)

Von den drei hier betrachteten Ländern hat Bayern die weitreichendste Regel. Art. 6 Abs. 1 FTG schützt „das Osterfest (die ersten zwei und die letzten zwei Tage), das Wochenfest (zwei Tage), das Laubhüttenfest (die ersten zwei und die letzten zwei Tage), das Neujahrsfest (zwei Tage), der Versöhnungstag (ein Tag)“ – also Pessach, Schawuot, Sukkot, Rosch ha-Schana und Jom Kippur. Nach Abs. 4 haben jüdische Schülerinnen und Schüler an diesen Tagen an Schulen aller Art unterrichtsfrei. Nach Abs. 5 dürfen jüdische Arbeitnehmer öffentlicher und privater Betriebe der Arbeit fernbleiben; ausgenommen sind Arbeiten, die auch an gesetzlichen Feiertagen erlaubt sind, und solche, die zur Aufrechterhaltung des Betriebs nötig sind. Der entscheidende Satz: „Weitere Nachteile als ein etwaiger Lohnausfall für versäumte Arbeitszeit dürfen den betreffenden Arbeitnehmern aus ihrem Fernbleiben nicht erwachsen.“ Das Fernbleiben ist also geschützt, bezahlt wird es nicht automatisch.

Legt man den Diaspora-Kalender an (letzte zwei Sukkot-Tage = Schemini Azeret und Simchat Tora), ergeben sich 2027 dreizehn geschützte Tage. Davon fallen nur sechs auf einen Arbeitstag – die übrigen liegen auf einem Wochenende:

Fest Datum Wochentag Für Beschäftigte
Pessach 22. April 2027 Donnerstag Arbeitstag
Pessach 23. April 2027 Freitag Arbeitstag
Pessach 28. April 2027 Mittwoch Arbeitstag
Pessach 29. April 2027 Donnerstag Arbeitstag
Schawuot 11. Juni 2027 Freitag Arbeitstag
Schawuot 12. Juni 2027 Samstag Wochenende
Rosch ha-Schana 2. Oktober 2027 Samstag Wochenende
Rosch ha-Schana 3. Oktober 2027 Sonntag Wochenende
Jom Kippur 11. Oktober 2027 Montag Arbeitstag
Sukkot 16. Oktober 2027 Samstag Wochenende
Sukkot 17. Oktober 2027 Sonntag Wochenende
Schemini Azeret 23. Oktober 2027 Samstag Wochenende
Simchat Tora 24. Oktober 2027 Sonntag Wochenende

2028 sieht es anders aus: Von dreizehn geschützten Tagen sind elf Arbeitstage, weil Rosch ha-Schana, Sukkot und die Herbst-Festtage mitten in die Woche fallen. Wer als jüdischer Beschäftigter in Bayern die Urlaubsplanung für beide Jahre macht, sollte also 2028 deutlich mehr Tage einplanen – ob als Urlaub, Überstundenabbau oder unbezahlte Freistellung. Die bayerischen Landesfeiertage stehen auf der Seite Feiertage 2027 in Bayern.

Nordrhein-Westfalen: § 9 Feiertagsgesetz NW („Jüdische Feiertage“)

Das Feiertagsgesetz NRW nennt nur zwei Feste: das Neujahrsfest (zwei Tage) und den Versöhnungstag samt Vorabend ab 18 Uhr. Rund um Synagogen sind während des Hauptgottesdienstes vermeidbarer Lärm, öffentliche Versammlungen und Umzüge verboten. § 9 Abs. 3 gibt „bekenntniszugehörigen Beamten und Arbeitnehmern der öffentlichen und privaten Betriebe und Verwaltungen das Recht, von der Arbeit fernzubleiben“ – wieder mit dem Zusatz, dass daraus keine weiteren Nachteile als ein etwaiger Lohnausfall entstehen dürfen. Eine Regel für Schülerinnen und Schüler enthält § 9 nicht; hier bleibt der Weg über einen Beurlaubungsantrag bei der Schule.

Praktisch heißt das: 2027 fällt in NRW nur ein einziger geschützter Tag auf einen Werktag – Jom Kippur am Montag, 11. Oktober 2027; Rosch ha-Schana liegt auf dem Wochenende. 2028 sind es zwei: Rosch ha-Schana am Donnerstag, 21. September 2028 und Freitag, 22. September 2028, während Jom Kippur auf einen Samstag fällt. Pessach, Schawuot und Sukkot sind in NRW nicht gesondert geschützt. Das Tikvah Institut hat 2023 in einem Policy Paper eine Ausweitung gefordert, etwa auf den Schabbat. Landesfeiertage: Feiertage 2027 in NRW.

Berlin: Sonn- und Feiertagsgesetz und Staatsvertrag

Berlin kennt keinen eigenen Paragrafen „Jüdische Feiertage“. § 2 Abs. 2 des Gesetzes über die Sonn- und Feiertage sagt allgemein, Angehörigen einer Religionsgesellschaft in Ausbildung oder Beschäftigung sei an den kirchlichen Feiertagen ihres Bekenntnisses „Gelegenheit zum Besuch der kirchlichen Veranstaltungen zu geben, soweit nicht unabweisbare betriebliche Notwendigkeiten entgegenstehen“. Welche jüdischen Tage darunter fallen, legt Art. 2 des Staatsvertrags zwischen dem Land Berlin und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin fest: Rosch ha-Schana, Jom Kippur, Sukkot, Schemini Azeret, Simchat Tora, Pessach und Schawuot. Für den Berliner Landesdienst beschreibt ein Merkblatt des Gesamtpersonalrats eine unbezahlte Freistellung an diesen Tagen; für Schüler gilt die Ausführungsvorschrift Schulbesuchspflicht.

So planen Beschäftigte und Arbeitgeber die Feiertage 2027

  • Früh beantragen: Die Termine stehen Jahre im Voraus fest. Wer Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Pessach schon im Januar in die Urlaubsplanung einträgt, vermeidet Konflikte mit Teamkollegen – auch 2027, wenn Pessach (22.–29. April 2027) erst 25 Tage nach Ostersonntag beginnt und deshalb nicht mit den Ostertagen zusammenfällt.
  • Vorabend mitdenken: Wer am Vorabend in der Synagoge oder beim Seder sein will, braucht einen früheren Feierabend. Das Recht auf Fernbleiben in Bayern und NRW bezieht sich auf den Festtag; der Vorabend ist Verhandlungssache – außer in NRW an Jom Kippur, wo der Schutz schon ab 18 Uhr gilt.
  • Bezahlung klären: Kein Landesgesetz verpflichtet zur Lohnfortzahlung. Üblich sind Urlaub, Gleitzeit oder unbezahlte Freistellung; manche Tarif- und Arbeitsverträge regeln religiöse Feiertage eigens.
  • Brückentage kombinieren: 2027 liegt Jom Kippur auf einem Montag, Rosch ha-Schana auf dem Wochenende. Wer zusätzlich Urlaub plant, findet die günstigsten Kombinationen mit den gesetzlichen Feiertagen unter Brückentage 2027.
  • Prüfungen und Abgabetermine: Schulen und Hochschulen legen Klausuren gelegentlich auf Jom Kippur oder Pessach. Frühzeitig auf die Termine hinzuweisen, ist der einfachste Weg zu einem Ersatztermin.

Wie viele Menschen betrifft das?

Belastbare Zahlen gibt es nur für die Mitglieder der jüdischen Gemeinden. Laut Mitgliederstatistik der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) zählten die Gemeinden zum 31. Dezember 2024 insgesamt 89.197 Mitglieder. Die größten Landesverbände waren Nordrhein mit 15.136, Bayern mit 8.301 und Berlin mit 8.085 Mitgliedern. Jüdinnen und Juden, die keiner Gemeinde angehören, erfasst diese Statistik nicht – die tatsächliche Zahl derer, die jüdische Feiertage begehen, ist also eine andere.

Häufige Fragen

Wann sind die jüdischen Feiertage 2027?

Die wichtigsten Termine 2027: Pessach 22.–29. April 2027, Schawuot 11.–12. Juni 2027, Rosch ha-Schana 2.–3. Oktober 2027, Jom Kippur am 11. Oktober 2027, Sukkot 16.–22. Oktober 2027, Simchat Tora am 24. Oktober 2027 und Chanukka ab dem Abend des 24. Dezember 2027. Jedes Fest beginnt am Vorabend.

Wann ist Rosch ha-Schana 2027?

Rosch ha-Schana 5788 beginnt am Freitag, 1. Oktober 2027 bei Sonnenuntergang und dauert bis zum Sonntagabend, dem 3. Oktober 2027. 2028 beginnt es am Mittwoch, 20. September 2028.

Wann ist Jom Kippur 2027?

Jom Kippur fällt 2027 auf Montag, 11. Oktober 2027. Das Fasten beginnt am Vorabend, Sonntag, 10. Oktober 2027, vor Sonnenuntergang. 2028 ist Jom Kippur am Samstag, 30. September 2028.

Wann ist Pessach 2027?

Der erste Sederabend ist am Mittwoch, 21. April 2027. Pessach dauert in der Diaspora acht Tage, vom 22. April 2027 bis 29. April 2027. 2028 beginnt Pessach am Montagabend, dem 10. April 2028.

Wann beginnt Chanukka 2027?

Am Freitag, 24. Dezember 2027 – Heiligabend – wird das erste Licht angezündet. Der achte und letzte Tag ist Samstag, 1. Januar 2028, Neujahr.

Welches jüdische Jahr ist 2027?

Bis zum 1. Oktober 2027 läuft das Jahr 5787, danach beginnt 5788. Das Jahr 5789 beginnt mit Rosch ha-Schana am Abend des 20. September 2028.

Sind jüdische Feiertage in Deutschland gesetzliche Feiertage?

Nein. Kein jüdischer Feiertag ist bundes- oder landesweit arbeitsfrei. Einzelne Länder schützen sie aber in ihren Feiertagsgesetzen, etwa Bayern (Art. 6 FTG) und Nordrhein-Westfalen (§ 9 FeiertG NW).

Dürfen jüdische Arbeitnehmer an ihren Feiertagen der Arbeit fernbleiben?

In Bayern an Pessach, Schawuot, Sukkot, Rosch ha-Schana und Jom Kippur (Art. 6 Abs. 5 FTG), in Nordrhein-Westfalen an Rosch ha-Schana und Jom Kippur (§ 9 Abs. 3 FeiertG NW). In Berlin ist ihnen nach § 2 Abs. 2 Feiertagsgesetz Gelegenheit zum Gottesdienstbesuch zu geben, soweit keine unabweisbaren betrieblichen Gründe entgegenstehen.

Wird der freie Tag bezahlt?

Nicht automatisch. Bayern und NRW formulieren gleich: Außer einem etwaigen Lohnausfall dürfen aus dem Fernbleiben keine Nachteile entstehen. Bezahlt wird nur, wenn Urlaub genommen wird oder ein Tarif- oder Arbeitsvertrag das vorsieht.

Haben jüdische Schüler an jüdischen Feiertagen schulfrei?

In Bayern ja: Art. 6 Abs. 4 FTG gibt ihnen an den geschützten Festen unterrichtsfrei. In Berlin regelt die Ausführungsvorschrift Schulbesuchspflicht die Befreiung. In NRW enthält § 9 FeiertG keine Schülerregel; dort wird eine Beurlaubung bei der Schule beantragt.

Warum dauern manche Feste in Deutschland länger als in Israel?

In der Diaspora wird bei Pessach, Schawuot und Sukkot traditionell ein zusätzlicher Festtag gehalten. Pessach dauert deshalb acht statt sieben Tage, und Schemini Azeret und Simchat Tora sind zwei getrennte Tage.

Warum beginnen jüdische Feiertage am Abend?

Der jüdische Tag beginnt mit Sonnenuntergang. Ein Fest, das im Kalender auf einem bestimmten Datum steht, beginnt deshalb schon am Abend davor und endet mit Einbruch der Nacht am letzten Tag.

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Quellen und Methodik

Alle Daten wurden per Skript aus dem Hebcal-Kalender (Diaspora-Einstellung) erzeugt und mit der Bibliothek python-holidays (Israel) gegengeprüft; Wochentage sind berechnet, nicht abgeschrieben. Die gesetzlichen Feiertage in Deutschland stammen aus Nager.Date und python-holidays. Gesetzestexte wurden im Wortlaut geprüft. Aussagen zu Ländern, die hier nicht genannt sind, treffen wir bewusst nicht.


Quellen: Hebcal Jewish Holidays · Art. 6 FTG Bayern · Feiertagsgesetz NW, § 9 · Sonn- und Feiertagsrecht Berlin · Staatsvertrag Berlin – Jüdische Gemeinde · Merkblatt Freistellung an religiösen Feiertagen (Berlin) · Vertrag Bund – Zentralrat der Juden · ZWST-Mitgliederstatistik 2024 · Tikvah Institut, Policy Paper NRW · Zentralrat der Juden: Feiertage · Stand: 27. September 2026 · Methodik · Redaktionsstandards · Redaktion